Tatort:Punk - Ret Marut Konzert im Gladhouse
21 Februar 2009 um 15:33 Uhr
Als Kommissar Kain hat Bernd Michael Lade den Osten im ARD–Tatort
vertreten. Am Samstag (14.02.09) spielte der Ex–Punk mit seiner Frau Maria Simon und der Band Ret Marut im Glad–House.
In welchem Verhältnis stehen Film und Musik? Steht die Musik, sprich Deine Band jetzt im Vordergrund?
Lade: Nein, die Musik ist ein ernstgemeintes Hobby. Ich verstehe mich als "Allzweck Künstler",
der mehrere Sachen versucht, um sich auszudrücken. Da ist Musik gut vereinbar mit Film.
Wie ist es, als Ehepaar in einer Band zu spielen? Wie werdet Ihr Euch beim Songschreiben einig?
Simon: Es gibt bei Ehepaaren immer wieder mal Reibereien, das
ist ja auch wichtig, um weiterzukommen. Gerade wenn man kreativ ist und
empfindsam bei der Arbeit, dann knallt's schon mal.
Ist die Musik für Dich ein Ausgleich zum Film, wo Du keine Rolle spielst, sondern Du bist, dich ausdrücken kannst?
Lade: Es ist schon so, ist vielleicht ganz gut beobachtet. Da kann man sich nicht verstecken, ist pur. Wir stehen da als "menschliche Menschen" auf der Bühne, mit unserem "Weltverbesserungsrock".
Es ist ja auch ein Ventil, als Schauspieler bist Du ja immer in anderen Diensten, in Diensten eines Charakters, dem man da darstellt.
Ihr habt heute vor überschaubarem Publikum gespielt. Schlimm?
Lade: Wir kennen das vom Theater, ich hab schon vor 20 Leuten gespielt.
Simon: Egal wie viel Publikum, ich find’s immer wieder schwer.
Lade: Das auf jeden Fall.
Simon: Man darf keine zu hohe Erwartungen haben, wenn man am Anfang ist mit so einer Band.
Gibt es Kontakt zu Peter Sodann? Wird es das Kommissar–Duo Kain und Ehrlicher noch mal geben?
Lade: Er hat jetzt andere Aufgaben übernommen. Aber nach 16
Jahren entsteht eine Freundschaft mit Tiefe, das ist auch so geblieben.
In der letzten Zeit haben wir uns aber sehr, sehr wenig gesprochen.
Wie findet Ihr es, dass er linker Bundespräsident werden will?
Lade: Er ist halt ein Weltverbesserer. Ob das nun so gut ist, weiß ich nicht, das muss sich herausstellen.
Simon: Er nutzt die Gelegenheit, in seinem Leben bestimmte Dinge
einfach noch mal loszuwerden. Er macht sich da nicht so eine Platte,
das find ich großartig.
Lade: Man sollte ihn nicht unterschätzen. Er ist ein sehr weiser, älterer Mensch. Jetzt wo sich das langsam so zuspitzt, erwischt man keine Blödeleien von ihm, sondern ganz ernsthafte Ansagen über seine politische Haltung. Da sind viele Dinge, mit denen muss man sich einfach indentifizieren wenn man nicht ein Mensch ist, der meint, nur ich und die anderen alle brauchen nichts.
In einem Lied von Euch gibt es die Textpassage Wenn alles kaputt ist, was uns kaputt macht. Das passt zur aktuellen Lage. Vieles verschwindet und geht den Bach herunter.
Lade: Das stimmt. Aber vieles kommt natürlich auch neu. Jetzt
hat man die Wahl, ob man das völlig pessimistisch sieht oder sich sagt:
Mensch, irgendwie geht’s ja noch.
Es ist ja auch ein Angstgefühl, was da geschürt wird, was letztendlich auch eine Ausrede ist.
Eins ist Fakt und ist für mich ganz klar: Der Kapitalismus als solcher ist am Ende und das bekommen wir jetzt immer stärker zu spüren in der letzten Zeit.
Man muss andere Strukturen zu finden, die wirkliche soziale Marktwirtschaft wieder zu beleben. Das einzig wichtige ist , das man für Demokratie kämpft, wenn sie
nicht erhalten bleibt, haben wir ein echtes Problem. Es gibt keine bessere Staatsform wie eine wirkliche Demokratie. Das ist allerwichtigste, finde ich.
Frage an Maria Simon: Du sagtest vorhin, das es dir schwerfällt, zwischen den Songs etwas zu sagen. Wie kommt das?
Wenn Du als Schauspielerin arbeitest, kannst Du doch auch schwer sagen "Ich trau mich nicht"?
Simon: Du musst ja unterscheiden. Der Schauspielerberuf besteht ja viel daraus mit einer Geschichte, einem Gerüst, einem gelernten Text zu arbeiten.
Aber hier steht man eins zu eins mit allem, völlig pur steht man hier, man ist ja dann kein Schauspieler. Man ist im direkten Kontakt, setzt sich mit dem Publikum auseinander. Das fällt uns total schwer.
Beim Hören Eurer Songs auf Myspace fiel mir eine gewisse Unbefangenheit, Spielfreude auf, das Ihr Euch in der Musik richtig auslassen könnt.
Kommt das auch durch Eure Schauspieltätigkeit, diese Ausdruckskraft, dieses sich geben können?
Simon: Das ist verankert in unserem Wesen. Du schreibst, du willst etwas ausdrücken. Ich will es auf der Gitarre peitschen, es herausbrüllen,
es muss immer verkörpert werden.
Lade: Wir haben uns dafür entschieden, weil ich unbedingt wieder Musik machen wollte. Ich hab das Jahre schon nicht mehr gemacht und hab immer davon geträumt, diese Band ins Leben zu rufen, das man wieder spielen kann, das ich meine Texte und Gedanken anbringen kann. Das ist ja das Schöne daran, wenn man sowas macht. Wir wollen unsere Auftritte später vielleicht mit Kurzfilmen koppeln. Es ist ein junges Projekt, wir sind seit etwa einem Jahr dabei. Die Musikbranche ist auch stellenweise ein Haifischbecken und es gibt Dinge, die mir überhaupt nicht gefallen und es gibt so auch Leute denen unser Zeug überhaupt nicht gefällt, das darf man nicht vergessen.
Man muss sich sein Publikum erspielen, wir sind auch stolz auf unsere Sachen aber es ist auch harte Arbeit. Es sich entwickeln zu lassen mit all unseren Möglichkeiten.
Simon: Das ist ja das Schöne, das man sich als Mensch immer weiter entwickeln kann. Gerade als Ehepaar, mit einer bestimmten Energie und in dem Alter, das man sich zusammenschliesst und Dinge anpackt und macht, die Glotze Glotze sein lässt. Wir schöpfen daraus enorm viel Kraft für das was wir bewältigen müssen und wollen, es macht uns einfach stark.
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