Norwegische Soundwände im Glad-House
19 Mai 2009 um 14:55 Uhr
Zum dritten Mal war Cottbus im Tourplan, die Band kommt gern nach Cottbus, wie Ulf Hennicke, Booker im Glad-House, verriet.
Bilder vom Konzert
Als Instrumentalband fing im Jahr 2000 alles an. Nun mit dem neuen
vierten Album, das TLFIS in eine andere Liga hebt, ist vieles anders. Es ist aufregend, abwechslungsreich und nie langweilig.
Supportet wurde TLFIS von Hypertext, ebenfalls aus Norwegen. War das
kurze, aber sehr gute Set der Vorband schon geeignet, die knapp 50
zahlenden Gäste zu begeistern, machte der Auftritt der fünf Norweger
aus Haugesund regelrecht süchtig.
Da türmten sich Soundwände im kleinen Slow, der sphärische Gesang von
den beiden TLFIS Frauen Hanne Andersen und Linn Frøkedal durchzog den
Raum und entführte den Zuhörer in andere Welten.
Songs wie "Mt Pinatubo", ausladend, über den philipinischen Vulkan
Pinatubo, hypnotisch geradezu und sich immer weiter und weiter
ausdehnend. Man möchte, das dieses Lied nie aufhört, das diese
atemberaubende Reise kulminiert in einer alles dahinreissenden
Explosion. Das ist eine Eigenart der TLFIS Lieder, wenn man meint,
jetzt kommt gleich ein orgiastischer Höhepunkt weil noch mehr Drama
garnicht geht, ist verwundert, weil der Song, fast auf dem Gipfel
angelangt, plötzlich zu Ende ist. Aber genau das macht den Reiz dieser
Band aus.
Dieses Unerwartete, ständig überrascht, mitgerissen zu werden,
plötzlich eine Gänsehaut zu kriegen weil die Songs entführen,
forttragen, Emotionen en Mass herauskitzeln.
Mit "Geordi La Forge" (das Stück heißt genau so) - Star Trek lässt
grüßen - trafen wir den blinden Lietnant aus dem Science-Fiction Epos
und erfuhren im extrem tanzbaren Gewand, das er so was von cool ist.
Das ist die richtige Musik(droge) zum Autofahren. Ich bin hin und weg, großartig, beschreibt Phillip Mahrla den Reiz des Abends.
Guido aus Dresden und Michael aus Neu Ulm, ehemalige Gladhousegänger,
sind genau wie der Rest des Publikums von den Postrockern begeistert:
„Super genial. Eine Mischung aus Sonic Youth, Lush und Stereolab?“
Ältere Stücke wie "Man Dont Walk" riefen schon bei den ersten Tönen
Jubel hervor, sehr zur Freude von Bassist Per Steinar Lie, gleich
forderte er das Publikum zum Näherkommen auf, man rückte zusammen, um
den Zauber dieser Musiklandschaften besser zu erfühlen.
Mit einem Gemisch von norwegisch, deutsch und englisch versuchten sich
die beiden Bands an diesem Abend mit dem Publikum zu verständigen.
Hypertext schnappten sich Percussioninstrumente und unterstützten TLFIS
bei mehreren Songs. Ein Lied der Zugaben hatte regelrecht Jamcharakter.
Das Stück entwickelte sich immer weiter, nahm Form an und endete ich
einem grandiosen Finale.
Nach dem Konzert bildete sich um den Merchandising Stand der Band eine
Menschentraube, CD's wurden erstanden, Hanne Andersen musste viel
signieren, sehr persönlich und nah erlebten die Konzertgäste die
Musiker. Das neue Werk "Futuro" ist sogar als Vinylplatte erhältlich,
da griffen manche gleich zu.
Ein großartiges Konzerterlebnis, das leider viel zu schnell zu Ende
ging. Bleibt zu hoffen, das die fünf Norweger auch zum vierten Mal ins
Glad-House kommen.
Als Fan der Polarzoo Reihe gibt es aber bald wieder einen Leckerbissen
zu erleben: Am 22. Mai ist im Rahmen der Rocktailparty die schwedische
Neo-Indie-Flower-Pop-Band NERVOUS NELLIE zu Gast im Glad-House.
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